Epochenüberblick Barocklyrik

Epoche Barock (17. Jahrhundert)

Þ    Historisch: Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Ausgerechnet hier fand die deutsche Literatur Anschluss an den Standard der Nachbarländer, in denen die Renaissance zuvor zu Meisterwerken geführt hat.

Þ    Zentren der kulturellen Entwicklung: Städte mit Schulen und Universitäten, vor allem aber Höfe der Territorialfürsten.

Þ    Herscherbild: Absolutismus nach dem Vorbild Ludwig des XIV.

Þ    Stoffe und Themen:        
Nur wenige Themen galten als literaturwürdig:
o       Christliche Märtyrer oder antike und ritterliche Helden
o       Herrscherlob
o       Ländliche Idyllen und Schäferspiele
o       Frauenpreis und Liebeo       Die Aufforderung zum Lebensgenuss (Carpe Diem)
o       Ermahnung, des Todes und der Nichtigkeit alles Irdischen zu gedenken
(Memento mori und Vanitas)

Þ    Lyrik:

  • Die Aufgabe der Poeten bestand darin die Inhalte in möglichste brillantes, den Kunstverstand des Publikums ansprechendes sprachlich-rhetorisches Gewand zu kleiden.
  • Der zum Teil Barocke „Schwulst“ ist daher zu erklären, dass diese Anforderungen an den Poeten die Gefahr barg, die Ausschmückung in Wortspiel, Metaphorik und Rhetorik immer weiter zu steigern.
  • Hinzu kam die Verfeinerung und Entfaltung der neuhochdeutschen Literatursprache. Literarische Gattungen und Formen wurden festgelegt („Buch von der deutschen Poeterey“) und in rezeptartiger Anweisung wurde beschrieben, wie Dichtung herzustellen sei.

Þ    Andere Literatur:

  • Neben Auftrags- und Gesellschaftskunst, die im Umfeld des Hofes entstand gab es auch eine von den niederen Ständen konsumierte Literatur, soweit sie lesen konnten. Diese war hauptsächlich zur Erbauung und (christliche) Lebenshilfe verfasst.
    Beispiele: Kalenderliteratur oder der Fortsetzungsroman.  

Þ    Wichtige Autoren und Werke:
Martin Opitz: Buch von der deutschen Poeterey
Andreas Gryphius: Sonette
Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch (Fortsetzungsroman)   
 

Vanitas Gedanke  

  • lat. leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit
  • ist ursprünglich die christliche beziehungsweise jüdische Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, die im Buch Kohelet im Alten Testament ausgesprochen wird (Koh. 1, 2): „Es ist alles eitel.“ Diese Übersetzung Martin Luthers verwendet „eitel“ im ursprünglichen Sinne von „nichtig“.
  • Schönheit und Verfall werden miteinander verbunden, alles Irdische kann vergehen.
  • Aufruf dazu, auf seine Seele zu achten, da das Fleisch verfällt und nur sie übrig bleibt.

Memento Mori! 

  • „Bedenke, dass du sterben musst!“ bzw. „Gedenke, dass du sterblich bist!“
  • Der Spruch gewann seine Verbreitung vor allem nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-4 8) im Barock. Bezogen auf dessen Lebensgefühl ist eine ausgeprägte Antithetik das vorherrschende Grundprinzip: Diesseits und Jenseits; Spiel und Ernst; Schein und Sein; leidenschaftliche Sinneslust und Lebensgier im Appell des Carpe Diem und die Todesnähe im Vanitas memento mori.
  • Dieser Satz wurde im alten Rom den im Triumph einziehenden Feldherren ins Ohr geflüstert, damit diese den Bezug zur Realität nicht verlieren.
  • Todessymbole, die die Menschen an ihre Sterblichkeit und den Tod erinnert haben:
    Verwelkende Blumen, Sanduhr, Särge, Leichen, Totenköpfe, Skelette, Kreuz, Geigen, erloschene Kerze, Fliegen, Rose (als eitle Blume)

 Carpe Diem! 

  • Carpe diem (zu deutsch: „nutze / pflücke den Tag“) ist eine lateinische Redewendung, die aus einer Ode des römischen Dichters Horaz stammt: „Noch während wir reden, ist die missgünstige Zeit schon entflohen: Pflücke dir den Tag, und glaube so wenig wie möglich an den nächsten!“
  • Sie ist im Kontext des Gedichtes eine Aufforderung, die knappe Lebenszeit heute zu nutzen und nicht auf den nächsten Tag zu vertrauen. Die Intention ist epikureistisch und nicht wie oft geglaubt hedonistisch.
  • Durch die Erfahrungen des Dreißigjährigen Krieges geprägt, bildete sich im 17. Jahrhundert ein starkes Vergänglichkeitsgefühl (Vanitas, Alles ist eitel oder Memento mori, Bedenke, dass du sterben musst). Aus der so empfundenen Sinnlosigkeit allen Tuns bildete sich im Gegensatz dazu das Gefühl, das Hier und Jetzt nutzen zu müssen und Vergnügungen zuzulassen: das carpe diem (”Denke nicht an die Ewigkeit (das ist eitel), sondern nutze die Zeit, die dir bleibt, für dein Vergnügen!”)
  • Die Verspieltheit und Sinnlichkeit der Kunstepoche Barock wird zentral auf dieses Motiv zurückgeführt.

Das Sonett (lat. sonare = tönen, ital. sonetto)

  • Grundform: 14 Zeilen: 2 Quartette, 2 Terzette
  • Quartette und Terzette sind in sich unterschiedlich gereimt und verbinden dadurch einzelne Gedanken bzw. Grenzen diese ab.
  • Das gängige Vers ist der Alexandriner: 12- bis 13-silbiger Jambus mit fester Zäsur nach der dritten Hebung. Der beherrschende Vers, besonders im 17. Jahrhundert.
  • Die Quartette stellen in These und Antithese meist anspruchsvolle Aussagen über Liebe, Schicksal, Geschichte, Politik, vor allem aber über Tod und Religion dar. Zwischen Quartetten und Terzetten herrscht nicht nur eine formale sondern auch inhaltliche Zäsur.
  • Die Terzette konzentrieren diese Themen und führen die Gegensätze zu einer Bilanz, einer Synthese. à auf pointiertes Ende hin ausgerichtet: Klimax-/Finalstruktur
  • Charakteristisch für Sonette des Barock: Klare Symmetrie, Parallelismus der Satzglieder, Antithetik und Kumulation der Beispiele
  • Das widersprüchliche und chaotische des Lebens (Kriegszeit) sollte in strengster Form „gebändigt“ und somit gestaltbar werden.
  • Andere Epochen, in der das Sonett vermehrt auftrat:
    Romantik (zweite Blüte), Jahrhundertwende bzw. frühes 20. Jahrhunde

Quellen: Zusammengefasst aus “Texte, Themen und Strukturen” sowie Wikipediaartikeln zu dem Thema

3 Kommentare

  1. Günther sagte,

    April 3, 2008 um 2:21 Uhr nachmittags

    Hallo! Ist das Gedicht kein 6- hebiger Jambus, ich dachte immer die Barrocken Gedichte werden meist in diesem Metrum gedichtet?!!

  2. abistokratin sagte,

    April 3, 2008 um 3:42 Uhr nachmittags

    das mag ja allgemein so zutreffen, muss aber für jedes Gedicht immer neu untersucht werden. Meiner Meinung nach liegt hier eindeutig ein fünfheber Jambus vor, da fünf Silben betont werden.
    o x o x o x o x o x o
    “Was ist die Welt / und ihr berühmtes gläntzen?
    o x o x o x o x o x
    Was ist die Welt und ihre gantze Pracht?”

    Die Kadenzen (endbetontung ist hier zwar anders) aber es sind trotzdem bei beiden Versen 5 betonte Silben (die x), und die Verse beginnen mit einer unbetonten Silbe, also Jambus.
    Hoffe das hat dir geholfen.

  3. abistokratin sagte,

    April 3, 2008 um 3:46 Uhr nachmittags

    Oder meintest du den Alexandriner, den ich oben erwähnt hab? ^^ Der ist zwar 12-silbig, aber 6-hebig, da hast du natürlich recht :)

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