Einleitung
Das Gedicht „Die Welt“ von Christian Hofmann von Hofmannswaldau aus dem Jahre 1679 kann der Barocklyrik zugeschrieben werden, da der Autor Gedankengut dieser Zeit, wie den Vanitas-Gedanken und die Idee des „Memento Mori“, aufgreift. Auch die strenge Form des Gedichtes weist auf die Barocklyrik hin, deren Vertreter versuchten, das Chaos ihrer Epoche, ausgelöst durch den Dreißigjährigen Krieg, durch eine strikte Form zu „bändigen“ und somit gestaltbar zu machen.
Grobformale Analyse
Formal gestaltete der Dichter das vorliegende Gedicht wie folgt: Es besteht aus 16 Versen, die eine einzige Strophe bilden. Beim Reimschema handelt es sich durchgehend um einen Kreuzreim und das Metrum des Gedichts ist ein Pentameter, d.h. ein fünfhebiger Jambus.
1. Teil Inhalt + Form – rhetorische Fragen
Formal wie inhaltlich kann man den Text in drei Teile unterteilen. Der erste Teil besteht aus den ersten beiden Versen, die durch rhetorische Fragen, die Grundfragestellung des Gedichts festlegen, auf die der Dichter im weiteren Verlauf des Gedichts eingeht bzw. sie beantwortet. In den ersten beiden Verse liegt nicht nur auf Grund der rhetorischen Fragen ein Parallelismus vor, sondern auch durch die Anapher „Was ist die Welt und“ (V1/2), mit der die Verse beginnen. Inhaltlich ist die Fortsetzung der Verse auch gleich, denn „ihr berühmtes Gläntzen“ (V1) und „ihre gantze Pracht“ (V2) sagen so ziemlich dasselbe aus und sind daher eine inhaltliche Wiederholung. Der Dichter betont durch die Dopplung und den Parallelismus seine (rhetorische) Fragestellung an den Leser.
2. Teil Inhalt + Form – Beispielkumulation
Der zweite Teil des Gedichts beginnt in Vers 3 und endet in Vers 8. Er ist dadurch definiert, dass er aufzählend eine Kumulation von Beispielen als Antworten auf seine Ausgangsfragen gibt. Hier wird das Stilmittel des Parallelismus weiterhin angewandt. Die Satzanfänge sind erneut Anaphern, da jeder Vers mit „ein“, einem Adjektiv (mit Ausnahme von V7), und einem Nomen beginnt. Sehr deutlich ist der Parallelismus in den Versen 5-8 zu erkennen, denn diese Verse enden alle mit einem Nomen und einem Verb und ihr Nebensatz im zweiten Teil des Verses wird mit dem Adverb „da“ und der Subjunktion „so“ eingeleitet, jeweils wechselnd mit dem Kreuzreim (so, da, so, da / abab). Inhaltlich fällt bei der Beispielkumulation ein thematischer Trend auf: Der Dichter benutzt Nomen und Adjektive die für etwas schnelles, bzw. schnelllebiges stehen: „kurtzgefasten Gräntzen“ (V3) „schneller Blitz“ (V4). Des Weiteren benutzt er Worte mit denen Dunkelheit, Schlechtes, Tod oder ganz allgemein negative Assoziationen verbunden werden: „schwartz“ und „Nacht“ (V4) „Kummerdisteln“ (V5), „Kranckheit“ (V6) „Sclavenhauß“ (V7) und „faules Grab“ (V8). Verse 5 und 6 zeigen mit ihren Aussagen, dass sich hinter einer anfangs (hier am Anfang des Verses) schön erscheinenden Sache, etwas Hässliches, Unschönes verbergen kann bzw. damit einhergeht: Auf dem bunten Feld sind Disteln, im schönen Spital sind Krankheiten. Vers 9 ist gegenläufig konzipiert: Das faule Grab (am Anfang des Verses) ist von Außen mit einer Alabasterschicht bedeckt. In diesem Vers zeigt sich, dass sich die Beispiele steigern, von den Krankheiten im Spital über das Sklavenhaus bis hin zum Tod im faulen Grab, der in besonders schöner Hülle, nämlich in reinem Alabaster erscheint. Alle Verse sind elliptisch, da ihnen jeweils der Anfang „Die Welt ist“ oder „Sie ist“ fehlt, welcher bei den vorangegangenen Fragen zu erwarten ist. Der Anfang kann wegfallen, da man durch die Fragen schon weiß um wen oder was es bei den Aufzählungen geht, nämlich die Welt. Die Beispiele geben als Antwort auf die vorangegangenen Fragen, dass das Schöne der Welt, schnelllebig ist und nur von Außen, nur hüllenartig. Unter der „gantze[n] Pracht“ (V2) liegt Schlechtigkeit, Negatives, Krankes. Die Metapher vom Grab ist die krasseste, da der Leser erkennt, dass die schöne Zierde des Grabes auch nichts mehr nutzt und dem Menschen darin nichts bringt, wenn der Körper im Inneren des Grabes fault. 3. Teil
Inhalt + Form – Schlussfolgerungen und Fazit (des Dichters)
Ab Vers 9 erörtert der Dichter die Konsequenzen der Beispiele. Er weist darauf hin, was man durch die Erkenntnis der nutzlosen Oberflächlichkeit für Schlussfolgerungen für sein Leben ziehen müsste. In Vers 9 und 10 stellt er die These auf, der Mensch setze immer auf die kurzlebigen, (scheinbar) schönen Dinge und vergöttert sie fälschlicherweise, was durch den Begriff „Abgott“ (V10) zum Ausdruck kommt. Vers 10 und 11 stellen kontrastiv den Gegensatz zwischen Fleisch und Seele dar. Während das Fleisch in den Versen 9 und 10 der falschen Oberflächlichkeit verfalle, soll die Seele weiterschauen, über die äußere Hülle hinaus, bzw. über das Weltliche hinaus (V12). Um diese Empfehlung an die Seele, die hier Personifiziert angesprochen wird, zu unterstreichen, ist das Verb „Komm“ in seiner Imperativform wiederholt: „Komm Seele komm“ (V11). In Vers 13 und 14 weist er die Seele an auf kurzlebigen Schein zu verzichten und „Lust“ für „Last“ (V14) zu halten. Dabei nutzt der Dichter die phonetische Ähnlichkeit von Lust und Last, die daher rührt dass, die Nomen bis auf einen Buchstaben gleich geschrieben werden, und fast schon an eine Alliteration grenzt, da beide Worte mit demselben Buchstaben beginnen. Diese klangliche Verbindung lässt den Leser auch eine inhaltliche Verbindung zwischen Lust und Last knüpfen. Vers 15 beschreibt das Ergebnis, dass der Dichter in der Abwendung vom Weltlichen sieht, nämlich das Erreichen des „Ports“, also des Hafens, der ein Symbol für den Himmel bzw. das Reich Gottes ist. Gleichzeit symbolisiert der Hafen auch immer das Ende und vor allem das Ziel einer Reise. In Vers 16 führt er dieses Ziel weiter aus und kommt zu seiner Hauptaussage: Ewigkeit ist die wahre Schönheit und sollte daher angestrebtes Ziel sein.
Gedankengut Vanitas und Memento Mori
(muss noch ergänzt werden)
Fazit der Interpretation
(muss noch ergänzt werden)
Die orangen Zwischenüberschriften habe ich eingefügt, damit man meine Gliederung nachvollziehen kann. In einer Klausur würden die natürlich wegfallen. Das Gedicht findet ihr auch in „Texte, Themen und Strukturen“ auf Seite 201:
Die Welt (1679) – Christian Hofmann von Hofmannswaldau
Was ist die Welt / und ihr berühmtes gläntzen?
Was ist die Welt und ihre gantze Pracht?
Ein schnöder Schein in kurtzgefasten Gräntzen /
Ein schneller Blitz beyschwartzgewölckter Nacht.
Ein bundtes Feld / da Kummerdisteln grünen;
Ein schön Spital / so voller Kranckheit steckt.
Ein Sclavenhauß / da alle Menschen dienen /
Ein faules Grab / so Alabaster deckt.
Das ist der Grund / darauff wir Menschen bauen /
Und was das Fleisch für einen Abgott hält.
Komm Seele / komm / und lerne weiter schauen /
Als sich erstreckt der Zirckel dieser Welt.
Streich ab von dir derselben kurtzes Prangen /
Halt ihre Lust für eine schwere Last. So wirstu leicht in diesen Port gelangen /
Da Ewigkeit und Schönheit sich umbfast.
hoellenkuehlschrank sagte,
Mai 4, 2008 um 9:30
Hallo, liebe Abistokratin,
vielen Dank für deinen tollen Beitrag. Morgen schreibe ich meine LK-Klausur über Barocklyrik und ich halte deinen Text für eine gute Formanalyse, an der ich festmachen kann, was alles wichtig ist, und was ich nicht vergessen darf. Auch dein anderer Beitrag über den Barock hat mir geholfen das ganze Wissen nochmal zu ordnen. Habe deinen Blog auch gleich mal in meinen Blogroll gepackt, da ich ebenfalls Deutsch- und Englisch-LK sowie Bio-GK habe.
Hoffe, deine Abiklausuren sind gut gelaufen.